Das NEUE HELDEN Festival vom 7. bis 16. März 2008

Freitag, 7. März | 21:00 Uhr

>>Myspace Hauptseite

Die Türen

Quasi trotzdem Pop

Eintritt: >>Vorverkauf: € 10,- | >>Abendkasse: € 12,-

"Das Beste was es zur Zeit in diesen Strassen zu finden gibt!" (Rocko Schamoni)
Nach der Band ist vor der Band: Ex-Blumfeld Keyboarder Michael Mühlhaus und Drummer Markus Spin sind jetzt feste Bandmitglieder bei Die Türen, die nach zweijähriger Pause im November 2007 mit dem dritten Longplayer "Popo" an den Start gingen.

"Sehr schlau und in einem lustigen Rutsch durchhörbar." (Musikexpress 12/2007)

"Ja, die Türen 2007 sind der Einbruch des Realen ins tocotronische Jahr der Kapitulation" (SPEX, 1-2/2008)

Die Band - sich selber treu bleibend – hat sich wieder einmal neu erfunden: mit Rhythm & Blues. Die Türen haben den staubigen Sound der 70er Jahre für sich wieder entdeckt: „Popo“ ist ein Album voller Soul-Explosion-Hits, die nun eigentlich keinen mehr verwirren dürften. Oder, was hätten Sie von den Türen Neues erwartet?


Live sind Die Türen eine Bank. Sie schöpfen aus einen Repertoire von über 70 Songs (in 4 Jahren) und es gibt wohl keine Band in Deutschland die sich stilsicherer von Musikgenre zu Musikgenre hangelt. Eine Band wie sie im Buche steht, und: "Das Beste was es zur Zeit in diesen Strassen zu finden gibt!" (Rocko Schamoni).

Homepage | Myspace

 

Pressestimmen:

Intro über Popo (10/2007)
Dass eine Band mit dem Namen Die Türen weit mehr sein wird als ein Witz für eine Saison, damit musste man nicht unbedingt rechnen. Und dennoch wird niemand den alten Herren aus Post-Münster ihre Nachhaltigkeit absprechen. Das Türen-Label Staatsakt erstellte über die eigene Band hinaus Platten, signte Künstler, und in reichlich Nebenprojekten arbeiteten die einzelnen Türen an der jeweiligen Ausformulierung ihrer Vollmeise.
Vollmeise soll natürlich nicht despektierlich klingen, sondern schon den textlichen Gestus erfassen und die scheinbar schrankenlose Ausgelassenheit des Projekts ins Rennen schicken. Ist man bei deutschsprachigen Bands doch stets in Sorge, ob man bei der nächsten geäußerten Emotion oder gar beim nächsten Witz nicht peinlich berührt sein muss, kann man sich bei den Türen getrost zurücklehnen. Wildcard, gepaart mit viehischem Können, hebelt jede Peinlichkeitsoption aus.

Und so ist es auch jetzt wieder - bei einem Album, das tatsächlich "Popo" heißt. Über den Dingen stehen - okay, kennt man ja. Aber es hat sich dennoch Kommunizierenswertes getan. Musikalisch: Man schöpft hier aus dem Vollen, wer zahlt denn eigentlich solche Produktionen, die all die angepumpten Genres wie Easy Listening, Ska, Rock-Ballade, ARD-Bigband, Disco so amtlich erscheinen lassen? Und wer schreibt denn solch aufwendige Partituren für diesen Zirkus-Indie-Pop? Gibt's da Kurse? Also Hut ab: vor dieser Vielfalt und diesen, man kann es nicht anders sagen, diesen guten Songs. Textlich scheint alles etwas konzentrierter, denn neben all der Ironie und Albernheit ist das Thema: Lebens- und Arbeitswelten der 20- und 30-Jährigen mit Checkerkompetenz und ohne materielle Werte.

"Kunst ist die Cousine der Arbeitslosigkeit", heißt es an einer Stelle, und wer sich die "Sag alles ab"-Pose der aktuellen Tocotronic privat aus finanziellen Gründen einfach nicht leisten kann, für den kommt hier die realistischere Ansage: "Pause machen ist nicht, sonst bist du arbeitslos und pleite." Witzig und beängstigend. Aber das wirklich Auffällige und Überdauernde von "Popo" ist - und das wollte ich schon immer mal schreiben, hat sich nur nie angeboten - ist also: die sprühende Fantasie.

 

Intro live (11/2007)
Nach der Band ist vor der Band: Ex- Blumfeld Michael Mühlhaus ist jetzt festes Bandmitglied bei Die Türen , die nach zweijähriger Pause im November mit dem dritten Longplayer an den Start gehen. Nach Elektro und Schlager wird jetzt Rock durch die Mangel genommen, allerdings der böse, der mit dem Haarspray und der Flying-V aus den 80ern. Das verspricht zumindest der erste Höreindruck ' Indie Stadt '. Nur echt mit Extra-Props für die " Intro-Trendchecker ". Ist das jetzt Ehre oder Ironie? Urteilt selbst. (intro 9/2007)

Und zum Schluss? Ja, da kommen natürlich unsere Lieblinge von Die Türen , die extra für uns INTRO -Trendchecker ein zweites Mal in die große Stadt gekommen sind. Mitgebracht haben sie mal wieder ihre einzigartige Mischung aus Soul und Punk, die in Deutschland wohl so höchstens nur noch Superpunk beherrschen. Zugegeben, zu Beginn ihres Auftrittes bin ich schon leicht angetrunken. Was ich aber trotzdem oder gerade deswegen noch ganz klar wahrnehme, ist: Hier steht eine Band auf der Bühne, die von der ersten Sekunde an vom kompletten Publikum geliebt wird. Ganz nach dem Motto " Kein Geld, aber Disko " versprühen sie den einzigartigen Witz und Charme, den wir von ihrer neuen Platte kennen. Und ein Blick durch die Reihen des Publikums offenbart viele Popo -wackelnde Menschen mit glücklichen Gesichtern.

Die Türen haben es geschafft in dieser bitterkalten Nacht, das Gebäude 9 in ein warmes Exil für glückliche Menschen zu verwandeln. Und als sie zum Schluss ihren Überhit ' Indie Stadt ' auffahren, grölt wirklich jeder Zuschauer, egal ob in Kassel oder New York City aufgewachsen, aus vollster Kehle mit: " Ich will in die große Stadt, ich habe die kleine satt. Ich werd' mal ne ganz große Nummer werden! " Und: " Ich will mehr! Wieviel mehr? Sehr viel mehr! " Sehr gerne. Und hoffentlich bald.

 

Tagesspiegel - Wurst und Wahrheit (15.11.2007)
Dada heißt jetzt "Popo": Wie die Berliner Band „Die Türen“ mit den Codes der Spaßkultur bricht.
Guter Witz. Die CD sieht aus wie eine Scheibe Wurst und steckt in einem blau-weißen Cover, das die Ästhetik einer Aldi-Tüte zitiert. „Popo“ heißt die Platte, sie stammt von einer Band, die sich Die Türen nennt. Superlustig.

Lustig? „Wir sind keine Spaßband, das ist alles ernst gemeint“, sagt Sänger Maurice Summen. Es kommt einiges zusammen bei den Türen, der Enthusiasmus des Punkrock, eine gut gelaunte Lust an der Provokation und – nicht zuletzt – sprudelndes Mitteilungsbedürfnis. Summen doziert, der Begriff „Popo“ sei „im popkulturellen Bereich noch nicht festgelegt“, besitze aber eine „gewisse Verwandschaft zu Dada“ und wechselt dann zu einer autobiografischen Reminiszenz an seine westfälische Heimat, wo es ein Tabu gewesen sei, sich in der Öffentlichkeit mit einer Aldi-Tüte blicken zu lassen, aus Angst vor einer „Gerüchtelawine“. Das Cover-Design kann also durchaus als gesellschaftskritisches Statement verstanden werden. „Uncool ist das neue Cool“, singen sie.

„Wir spielen mit ästhetischen Codes, wir sampeln das, was wir vorfinden“, sagt Gitarrist Gunter Osburg. „Dass mancher Zuhörer das komisch oder peinlich findet, dafür können wir doch nichts.“ Die Wurst auf der CD ist übrigens eine Scheibe Bierschinken, laut Summen „einfach das Zitat eines Massenprodukts“. Und so wie ein Metzger beim Wurstmachen allerlei flüssige und brockige Bestandteile in Natur- oder Kunstdärme stopft, so quetschen die Türen beim Musikmachen so lange die seltsamsten Soundpartikel und Geräusche in ihre Songs, bis sie fast platzen.

Ein schepperndes Klavier intoniert einen Disco-Fox, Hardrockgitarren heulen auf und vervielfachen sich hallend, billiges Synthesizer-Gefiepe wie aus einem frühen Videospiel wechselt mit stampfendem Minimal-Techno, Chöre jubeln „Huhuhu“, Bläsersätze stottern funky. „Popo“, immerhin schon das dritte Album der Berliner Gruppe, erscheint am Freitag beim bandeigenen Label Staatsakt. Es klingt ein bisschen nach der Neuen Deutschen Welle und nach dem Agitprop-Punk der Goldenen Zitronen (mit denen die Türen schon auf Tournee waren), nach frühem Udo Lindenberg und nach Motown-Soul und das manchmal alles gleichzeitig in einem Song. Über allem liegt ein nervös pulsierender Rhythmus, die fiebrige Energie eines vom Trio zum Quintett angewachsenen Musiker-Kollektivs, das endlich den Ruhm erzwingen möchte.

Sänger Summen reiht mit gepresster, entfernt an den Fehlfarben-Frontmann Peter Hein erinnernder Stimme Redensarten, Alltagsreflexionen und Schlagzeilen aneinander. Aus dem Nonsens der windschiefen Zeilen erwachsen mitunter die hübschesten Aphorismen. „Wenn der Sport der Bruder der Arbeit ist/ Ist die Kunst die Cousine der Arbeitslosigkeit“, heißt es in „Pause machen geht nicht“, einer atemlosen Abrechnung mit dem Raubtiercharakter des Kapitalismus. Summen bekennt sich kämpferisch zum Feminismus: „Alles, was ich will, ist nur die Regierung der Schürzen.“ Über Biedermenschen mit ihrem „Scheckheft-gepflegten Leben“ macht er sich genau so lustig wie über die Sehnsüchte der trinkenden Mehrheit: „Ein Leben lang/ Dosenbier im Sonnenuntergang.“

„Der Blues kommt zurück in die Stadt“, ein Höhepunkt der Platte, ist eine Hymne auf den Carpe-diem-Hedonismus: „Sei nicht traurig / Das letzte Hemd hat keine Taschen / Sei nicht traurig / Da ist immer noch genug Pfand auf den Flaschen.“ Wenn die Welt ein Sumpf aus Ausbeutung und Langeweile ist, dann hilft nichts anderes, als sich am eigenen Schopf da herauszuziehen. Von Kleinstadttristesse erzählt der Song „Indie Stadt“: „Mein Avatar in Second Life tanzt wie John Travolta/ Nur hier passiert nichts.“ Autobahnabfahrten reihen sich wie Stationen eines Passionswegs aneinander: „Borken, Bad Oeynhausen, Eberswalde, A 61.“

Die Türen-Gründer Maurice Summen, Gunter Osburg und Bassist Ramin Bijan stammen aus der Umgebung des münsterländischen Borken, sie begannen ihre Laufbahn in Schülerbands der westfälischen Tiefebene. Summen wurde musikalisch durch das Hörfunkprogramm des WDR sozialisiert, vor allem durch die Hardrock- und Pop-Magazine „Scream“ und „Graffiti“. Weil die Sendungen spätnachts liefen, nahm sein Vater, ehemals Gitarrist in einer Beat-Band und früher Profi-DJ, sie für ihn auf.
Nach diversen Jobs und Studiengängen und einem Umweg über Köln kamen Summen, Osburg und Bijan in den Jahren 2001 und 2002 nach Berlin. Einen Namen für ihre Band suchten sie so lange, bis sie bei irgendwelchen Gaga-Begriffen ankamen und Osburg stöhnte: „Dann können wir uns genauso gut Die Türen nennen.“ Als Referenz an die Doors sei der Name nicht gemeint, auch wenn man die „in unserer Dorfzeit“ durchaus nicht ungern gehört habe.

Die ersten beiden Platten entstanden nach strengsten Prinzipien der Gleichberechtigung in der gemeinsamen WG an der Schönhauser Allee. Erst wurden in einer Art Brainstorming die Texte zusammengestückelt, dann am Computer die Musik dazu eingespielt. Herauskamen furiose Electrotrash-Nummern, aber auch der betörende Synthie- Schlager „Mädchen meiner Träume“. „Es ging um Tempo“, erzählt Summen. „Es war normal, dass ein Song in zwei, drei Stunden fertig war“, inklusive Aufnahme.

Vom Musikmachen auf der Überholspur haben sich die Türen nun verabschiedet, „das ist eine Form, die für uns nicht länger interessant war“, sagt Summen. Als Soundtüftler und Softwarefrickler verstanden sie sich ohnehin nie. Sie haben in den letzten zwei Jahren rund 150 Konzerte gegeben und als normale Rockband funktioniert. Für „Popo“ wurden der ehemalige Blumfeld-Keyboarder Michael Mühlhaus und der Drummer Markus Spinn in die Gruppe geholt. Aufgenommen wurde im „Planet Roc“-Studio in Berlin-Oberschöneweide, wo vorher schon Joe Jackson, Rufus Wainwright und Phoenix gearbeitet hatten.

Die Türen verbinden Größenwahn und Pragmatismus. Für ihr Debütalbum „Das Herz war Nihilismus“ interessierten sich mehrere Labels, weil die Veröffentlichung sich aber ein dreiviertel Jahr hingezogen hätte, gründeten sie ihre eigene Plattenfirma. Die Erstauflage von 1000 Exemplaren war schnell verkauft. Inzwischen sind bei Staatsakt unter anderem ein Pseudo-Soundtrack des als Erobique bekannten Organisten Carsten Meyer und eine CD von Glacier, ein Nebenprojekt des Tocotronic-Gitarristen Rick McPhail, herausgekommen. Im Frühjahr erscheint das Solodebüt des Sterne-Sängers Frank Spilker.

Ihr Büro in einer Erdgeschosswohnung am Prenzlauer Berg teilt sich die Band mit einer Bookingagentur. Bevor die nächste Tournee beginnen kann, müssen die Musiker durch einen Wust von Akten kämpfen. Die Steuererklärung für ihre Firma steht an. Da hört der Spaß auf.