Samstag, 27. März | 21:00 Uhr
NACHHOLTERMIN

Knut und die herbe Frau
Support: Daantje & The Golden Handwerk (Singer/Songwriter aus Stuttgart)
Eintritt: >> Vorverkauf : € 8,- / >> Abendkasse: € 10,-
Von Liebe zu singen, ist wie vom Leben zu singen. Liebe und Leben sind
natürlich keineswegs synonym. Zu singen: „Ich liebe Dich“ anstelle
von „Ich lebe mit Dir“ und so fort: Das funktioniert natürlich nicht.
Knut und die herbe Frau wollen vor allem immer nur über Liebe singen,
weil sie die auch meinen, wenn sie „Liebe“ singen. Aber wer ist nur mit
„Die herbe Frau“ gemeint, die sich da strukturalistisch an Knuts Seite
quält? Obwohl SIE eigentlich ein ER ist, nämlich Benedikt Filleböck
von einer anderen Band, die auch nur allzu gerne über die Liebe und
ihre Erfolge singt: Wolke. Und herbe? Wer soll das sein? Eine herbe Frau?
Eine ungeliebte Frau? Eine Frau, die man mit Geschenken überhäuft,
weil sie so herbe ist? Weil man sie lieben muss? Weil man ihr einen Antrag
macht, damit man für immer mit ihr leben darf? Und wie ist das mit
der Ehe in Zeiten des Popfeminismus? Knut und die herbe Frau? Wie schaut
es aus? So lange, bis der Tod euch scheidet? Oder seid ihr nur ein Projekt
- der widerwärtigste Begriff des Postpopföderalismus jenseits
aller Digitalisierungsfragen – neben, klar: dem/der PraktikantIn. Ein
Projekt der Liebe? Praktikanten der Liebe? Wer oder was seid ihr? So oder
so: Wir sind ja für die Trennung von Liebe und Staat.
„Ich bin hilflos in Freiheit – ich muss im Reich der Mitte bestehen!“
singen Knut und die herbe Frau und die Frage, die sich da gleich anstellt
in der Reihe der Fragen, die es zu beantworten gilt, lautet: Ist das Blues?
Noch schöner gefragt, wie die Alt-68er das getan hätten: Haben
Knut und die herbe Frau den Blues? Wer keine Liebe hat, der hat den Blues.
Das wissen wir. Aber dieses kammermusikalische Klavier in all diesen Liedern
- ein deutscher Pianist kennt und kann doch keinen Blues spielen. Der
Tastenkaiser der Musik spielt das Leid der Welt und seiner Geschichte
in Würde mit seinen durchtrainierten, flinken Fingerkuppen. Bevor
der Pianist auch nur einen Moment damit vergeudet, herumzujammern, spielt
er Jahre lang Partituren des Weltkulturerbes rauf und runter, während
seine Freundinnen im Hinterhof Fußball spielen – oder „Wahrheit
oder Pflicht“. Wenn der Pianist später auf Popplatten spielen muss,
ist er naturgemäß ein wenig enttäuscht. Er darf mit seinen
spielerischen Möglichkeiten vielleicht gerade einmal drei oder fünf
Akkorde auseinandernehmen. Das ist aber immer noch besser, als gar nicht
mehr zu spielen und Taxi zu fahren, so ein Pop-Piano. So ein Pop-Pianistenleben.
Schön, dass es auch für die Großen reichlich Spielzeug
gibt: Computer, Synthesizer und Sampler; und Tontechnik und das ganze
andere Kabelsimsalabim aus der Produzentenkiste. Da kann er sich weiterbilden,
der Pop-Pianist.
Knut und die herbe Frau: Ein Indiepoptrobador
(„Knut“) und ein wohltemperierter Poppianist („Die herbe Frau“) bei der
Arbeit: Verliebt, manchmal verrückt wie entzückt und immer in,
aus und durch die Liebe hindurch: „In unserem Glück werden wir uns
heut beschließen, wir sind ein Wärmestrom, und da zusammen
fließen“.
www.myspace.com/knutunddieherbefrau